Kind mit ADHS besser verstehen

Wie systemische Fragen dir helfen können, dein Kind mit ADHS besser zu verstehen. Für mehr Ruhe, Verbindung und Entlastung im Familienalltag.

Der Alltag mit einem Kind mit ADHS ist oft ein Zusammenspiel aus Nähe, Überforderung, Liebe und Erschöpfung. Viele Eltern erleben intensive Momente, in denen das Verhalten ihres Kindes scheinbar „aus dem Nichts“ eskaliert. Aus systemischer Sicht geschieht Verhalten nie isoliert. Es entsteht im Kontext, im Miteinander, im Beziehungssystem.

Was bedeutet „systemisch“?

Systemisches Arbeiten betrachtet den Menschen nicht isoliert, sondern als Teil verschiedener Beziehungssysteme: Familie, Schule, Freunde, gesellschaftliche Erwartungen. Verhalten wird nicht als „Problem“ gesehen, sondern als Ausdruck innerhalb eines bestimmten Kontextes.

Systemische Arbeit lädt dazu ein, Muster zu erkennen, neue Handlungsspielräume zu entdecken und Beziehungen so zu gestalten, dass alle Beteiligten mehr Leichtigkeit, Verbindung und Selbstwirksamkeit erleben.

Systemische Grundannahmen:

  • Verhalten entsteht im Zusammenspiel, nicht im Individuum allein.
  • Jeder beeinflusst jeden. Kommunikation ist zirkulär, nicht linear.
  • Symptome sind Lösungsversuche, oft kreative Strategien, um mit Stress umzugehen.
  • Es gibt viele Perspektiven, nicht eine Wahrheit, sondern mehrere mögliche Erklärungen.
  • Ressourcen stehen im Mittelpunkt, nicht Defizite.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Dein Kind kommt nach einem langen Schultag nach Hause. Die Tür knallt, der Rucksack fliegt in die Ecke, und noch bevor du „Hallo“ sagen kannst, ruft es: „Lass mich in Ruhe! Ich hasse die Schule! Du bist so blöd!“

Du spürst vielleicht Irritation, vielleicht Verletzung. Ein Teil von dir möchte trösten, ein anderer Grenzen setzen. Genau in diesem Spannungsfeld entsteht oft die Eskalation. Viele Eltern fragen sich dann: „Was stimmt nicht mit meinem Kind?“ oder „kann es sich nicht einfach „normal“ verhalten?“

In Familien entstehen Dynamiken, die sich unbewusst aufschaukeln

  • Das Kind ist überfordert → wird laut
  • Der Elternteil fühlt sich angegriffen → reagiert mit Druck
  • Das Kind fühlt sich unverstanden → zieht sich zurück oder es eskaliert
  • Der Elternteil fühlt sich hilflos → reagiert strenger oder distanzierter

So entsteht ein Kreislauf, den niemand bewusst wählt, aber alle unbewusst mitgestalten. Wenn Eltern mit Druck reagieren („Jetzt benimm dich!“), verstärken sie unbewusst die Überforderung. Das Kind fühlt sich nicht verstanden.

Ein systemischer Blick hilft, diesen Kreislauf zu erkennen, nicht als Schuldfrage, sondern als Einladung, das Miteinander neu zu betrachten.

Wie systemische Fragen helfen können

Systemische Fragen helfen dir, dein Kind mit ADHS besser zu verstehen und die Botschaft hinter dem Verhalten zu erkennen. Systemisches Arbeiten beginnt nicht mit der Suche nach Fehlern, sondern mit der Frage: „Was könnte mein Kind mir gerade zeigen wollen? Welche Spannung oder Überforderung steckt vielleicht dahinter? Wie beeinflussen wir uns gegenseitig in diesem Moment? Welche kleine Veränderung könnte hier schon etwas lösen?

Verhalten ist immer:

  • kontextgebunden
  • beziehungsorientiert
  • „sinnvoll“ im System
  • ein Ausdruck innerer Zustände
  • ein Versuch, etwas zu regulieren oder mitzuteilen

Diese Haltung öffnet Raum für Mitgefühl, Selbstreflexion und Veränderung. Sie lädt dazu ein, Verhalten nicht als Provokation zu sehen, sondern als Botschaft. Als Ausdruck dessen, was das Kind (und manchmal auch wir selbst) gerade nicht in Worte fassen kann.

Fünf systemische Fragen für deinen Familienalltag

Diese Fragen können dir helfen, die Dynamik zu verstehen, statt nur das Verhalten zu sehen. Sie öffnen einen Raum, in dem du dein Kind (und dich selbst) mit mehr Ruhe und Verbundenheit begleiten kannst.

  1. Was braucht mein Kind gerade, auch wenn es das nicht sagen kann? Diese Frage lenkt den Blick weg vom Verhalten hin zum Bedürfnis dahinter.
  2. Was passiert zwischen uns, wenn es laut wird? Die Frage macht die Beziehungsebene sichtbar, nicht nur das, was „im Kind“ passiert.
  3. Was löst das Verhalten in mir aus und was möchte ich eigentlich bewirken? Eine Einladung zur Selbstreflexion, die neue Handlungsspielräume schafft.
  4. Wie verändert sich die Situation, wenn ich ruhig bleibe? Kleine Veränderungen auf deiner Seite können grosse Wirkung im System haben.
  5. Was würde passieren, wenn ich jetzt einfach präsent bin, ohne sofort zu reagieren? Präsenz statt Aktion. Oft ist das der Moment, in dem sich Spannung löst.

Oft braucht dein Kind nicht deine Antwort, sondern deine Regulation, deine Nähe, deine Ruhe. Manchmal ist es genau diese Pause, die den Kreislauf unterbricht und Verbindung wieder möglich macht.

Gemeinsam neue Wege gehen

Familien mit neurodivergenten Kindern tragen oft viel: Verantwortung, Liebe, Unsicherheit, Hoffnung. Systemisches Arbeiten eröffnet neue Perspektiven: weg von Schuld und Erklärungsdruck, hin zu Verständnis, Verbindung und echten Handlungsspielräumen.

Wenn du spürst, dass ihr im Alltag feststeckt, dir ein liebevoller, klarer Blick von aussen guttun würde oder wenn du dein Kind mit ADHS besser verstehen möchtest, begleite ich dich gern mit systemischem Blick und alltagstauglichen Impulsen. Gemeinsam finden wir Wege, die zu euch passen.

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Mehr Infos zu ADHS und den Umgang damit findest du in meinen weiteren Blogbeiträgen: https://schatzsuche-coaching.ch/blog/ oder auch unter: https://elpos.ch

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