ADHS bei Mädchen erkennen

Mädchen mit ADS, das sich nicht auf eine Aufgabe fokussieren kann

Warum ADHS bei Mädchen oft übersehen wird und welche Anzeichen Eltern kennen sollten

Viele Menschen haben bei ADHS noch immer dasselbe Bild im Kopf: ein Kind, das laut ist, ständig in Bewegung, impulsiv und schnell auffällig. Genau dieses Bild ist oft der Grund, warum ADHS bei Mädchen lange nicht erkannt wird.

Denn viele Mädchen mit ADHS wirken nach aussen eher ruhig, verträumt, angepasst oder sensibel. Sie stören nicht, geben sich Mühe und versuchen, irgendwie mitzukommen. Gerade deshalb wird leicht übersehen, wie viel Kraft sie innerlich brauchen, um den Alltag zu bewältigen.

Warum ADHS bei Mädchen oft so spät erkannt wird

Ein wesentlicher Grund ist, dass viele Erwachsene vor allem die äussere, auffällige Seite von ADHS kennen: Zappelig, Dazwischenrufen, impulsives Verhalten, ständiges Aufstehen. Dieses Bild gibt es durchaus, aber es ist nicht das ganze Bild.

ADHS kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Neben einer eher hyperaktiv-impulsiven Ausprägung gibt es auch eine vorwiegend unaufmerksame Form. Dabei stehen eher Verträumtheit, Vergesslichkeit, Ablenkbarkeit, Schwierigkeiten mit Organisation und das Verlieren des roten Fadens im Vordergrund. Diese Form wird gerade bei Mädchen oft später erkannt.

Hinzu kommt, dass viele Mädchen früh lernen, ihre Schwierigkeiten zu überspielen. Sie beobachten andere genau, passen sich an, halten sich zurück und versuchen, möglichst nicht negativ aufzufallen. Von aussen wirkt das manchmal unauffällig. Innerlich kostet es jedoch oft enorm viel Energie.

Genau das ist ein wichtiger Punkt: Ein Mädchen kann nach aussen funktionieren und trotzdem jeden Tag weit über ihre Grenzen gehen.

Wie sich ADHS bei Mädchen im Alltag zeigen kann

Nicht jedes Mädchen mit ADHS zeigt dasselbe Bild. Manche wirken sehr verträumt, andere eher innerlich angespannt. Manche fallen vor allem durch Vergesslichkeit auf, andere durch emotionale Überforderung oder grosse Erschöpfung nach der Schule.

Im Alltag kann sich das zum Beispiel so zeigen:

  • sie verliert in Gesprächen oder bei Aufgaben schnell den Faden
  • sie vergisst Dinge, obwohl sie sich Mühe gibt
  • sie braucht sehr viel Energie für Schule und Hausaufgaben
  • sie wirkt nach aussen ruhig, ist innerlich aber unruhig
  • sie ist schnell überfordert, wenn zu viel gleichzeitig auf sie einprasselt
  • sie reagiert empfindlich auf Lärm, Zeitdruck oder viele Reize
  • sie zweifelt an sich selbst, weil vieles anstrengender ist, als andere sehen

Wichtig ist: Nicht jedes verträumte oder sensible Mädchen hat ADHS. Aber wenn ein Kind über längere Zeit sichtbar kämpft, viel Kraft braucht und trotzdem immer wieder an Grenzen kommt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.. 

Woran Eltern merken können, dass mehr dahintersteckt

Oft sind es nicht einzelne grosse Auffälligkeiten, sondern ein Muster, das sich mit der Zeit zeigt. Eltern spüren häufig sehr früh, dass ihr Kind mehr kämpft, als andere sehen.

Vielleicht kennst du solche Situationen:

  • Dein Kind wirkt nach der Schule völlig leer oder gereizt.
  • Hausaufgaben kosten unverhältnismässig viel Kraft.
  • Kleine Anforderungen kippen schnell in Stress.
  • Dein Kind vergisst ständig Dinge, obwohl es sich Mühe gibt.
  • Es hört scheinbar nicht zu, obwohl es eigentlich mitkommen möchte.
  • Zu Hause entlädt sich vieles, was den ganzen Tag zurückgehalten wurde.

Gerade diese Diskrepanz ist für Eltern oft schmerzhaft: In der Schule wirkt vieles unauffällig, zu Hause zeigt sich, wie erschöpft und überfordert ein Kind innerlich wirklich ist. Doch ein Mädchen kann nach aussen funktionieren und trotzdem längst am Limit sein.

Mädchen mit ADS, dem alles zu viel ist und mit sich selbst und den Reizen von aussen kämpft

Ein Einblick aus einem Coaching

Ich denke dabei an ein Mädchen mit noch undiagnostiziertem ADHS (mittlerweile mit Diagnose), das zu mir ins Coaching kam, weil es zu Hause immer wieder starke Wutausbrüche hatte und die Schule für sie sehr anstrengend war. Die Mutter erzählte, dass ihre Tochter oft nicht in die Schule gehen wollte, dass der Schulalltag sie sehr ermüdete und dass ihr alles schnell zu laut wurde.

Im Coaching haben wir zuerst gemeinsam angeschaut, was bei ADHS im Gehirn eigentlich los ist. So, dass es für das Kind verständlich wurde. Wir haben über die kleinen „Helferlein“ im Gehirn gesprochen, die nicht immer gut zusammenarbeiten, manchmal Chaos machen und am liebsten alles gleichzeitig mitbekommen möchten.

Für das Mädchen schien das sehr entlastend. Plötzlich ging es nicht mehr darum, dass mit ihr etwas falsch ist, sondern darum, zu verstehen, warum sich manches in ihr so schnell zu viel anfühlt.

Dann haben wir gemeinsam Strategien erarbeitet, wie sie mit innerem Druck besser umgehen kann. Wie sie früher merkt, wann es zu viel wird. Was ihr helfen kann, wenn sie innerlich voll ist. Und was sie braucht, damit Anspannung nicht erst dann sichtbar wird, wenn alles schon explodiert.

Besonders berührend war für mich, dass die Mutter schon nach drei Coachings sagte, sie habe das Gefühl, dass es ihrer Tochter deutlich besser gehe. Nicht nur, weil das Mädchen erste Werkzeuge für sich bekommen hatte, sondern auch, weil die Eltern sie durch die Elternberatung anders sehen und anders auf sie zugehen konnten.

Das Mädchen fühlte sich verstanden und musste nicht mehr ständig gegen sich selbst kämpfen. Für mich zeigt dieses Beispiel sehr schön, wie viel sich verändern kann, wenn ein Kind nicht nur auf sein Verhalten reduziert wird, sondern endlich verstanden wird und sich selbst auch besser verstehen kann.

Wann eine Abklärung sinnvoll sein kann

Eine gute Abklärung kann hilfreich sein, wenn ein Mädchen über längere Zeit:

  • sehr viel Kraft für Schule und Alltag braucht
  • sich schlecht organisieren kann
  • häufig Dinge vergisst
  • schnell innerlich voll ist
  • sich leicht ablenken lässt
  • zu Hause starke emotionale Reaktionen zeigt
  • immer mehr an sich selbst zweifelt

Wichtig zu wissen: Eine seriöse Diagnostik schaut nie nur auf ein einzelnes Verhalten. Sie berücksichtigt mehrere Lebensbereiche und prüft auch, ob andere Ursachen eine Rolle spielen könnten, zum Beispiel Schlafprobleme, Ängste, depressive Symptome oder Lernschwierigkeiten.

Eine Abklärung soll ein Kind nicht in eine Schublade stecken. Sie kann helfen, ein stimmigeres Bild zu bekommen und besser zu verstehen, was dieses Kind wirklich braucht.

Was Mädchen mit ADHS wirklich hilft

Aus meiner Sicht brauchen Mädchen mit ADHS vor allem Erwachsene, die genauer hinschauen. Erwachsene, die nicht nur das Verhalten sehen, sondern auch die Anstrengung dahinter. Die bemerken, wie viel Energie ein Kind täglich aufwendet, um mitzuhalten.

Hilfreich sind:

  • mehr Verständnis für das, was im Kind innerlich passiert
  • klare und einfache Strukturen
  • Entlastung statt ständiger Korrektur
  • Unterstützung im Umgang mit Reizen und Gefühlen
  • kleine, alltagstaugliche Strategien
  • Eltern, die ihr Kind besser verstehen lernen und es co-regulierend begleiten

Und manchmal beginnt Veränderung genau mit diesem Satz: Ich bin nicht falsch. Ich brauche nur Unterstützung, die wirklich zu mir passt.

Verständnis und Begleitung hilft dem Mädchen mit ADHS sich selbst besser zu verstehen und mit den Herausforderungen umzugehen

Fazit: ADHS bei Mädchen erkennen

ADHS bei Mädchen wird oft spät erkannt, weil viele noch immer vor allem das laute Bild von ADHS im Kopf haben. Doch viele Mädchen kämpfen eher still: mit Vergesslichkeit, innerem Druck, Erschöpfung, Reizen und dem Gefühl, ständig mehr Kraft zu brauchen als andere.

Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Je früher ein Mädchen „gesehen“ wird, desto eher kann es passende Unterstützung bekommen und aufhören, gegen sich selbst zu kämpfen.

Melde dich gern bei mir

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind sich sehr anstrengt und trotzdem immer wieder an seine Grenzen kommt, kann es entlastend sein, die Schwierigkeiten besser zu verstehen.

In meiner Begleitung geht es nicht nur darum, den Alltag leichter zu machen, sondern oft auch darum, den Selbstwert eines Kindes zu stärken, seine Stärken wieder sichtbarer zu machen und ihm zu helfen, sich selbst besser zu verstehen.

Und wenn du dir für dein Kind oder für euch als Familie mehr Orientierung, Verständnis und alltagsnahe Unterstützung wünschst, begleite ich euch gern. Hier findest du mehr Infos zu meinem Angebot.

Wenn du dein Kind dabei unterstützen möchtest, innere Anspannung früher zu spüren und besser mit Stress, Wut oder Überforderung umzugehen, dann schau dir gern meinen Mini-Kurs Nervenbalance für Kids an.

Mädchen mit ADS bekommt durch das ADHS Coaching bei Rahel Graf gezielt Unterstützung, um mit Herausforderungen umzugehen

Ähnliche Beiträge